Björn in Kanada

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Wednesday, April 26, 2006
Was war sonst so an dem Tag los:

Long-Exposure Webcam as a documentary art form... und was sonst das Semester los war

Jetzt wo mein Studium hier fast zu Ende ist (nur noch eine Prüfung steht zwischen mir und meinen Sommer-Erlebnissen), will ich nochmal schnell berichten was ich in den letzten Monaten so getrieben habe. Wie Ihr hier lesen konntet tat ich mich ja am Anfang des Semesters etwas schwer mich zu entscheiden. Letztendlich hab ich dann auch fast alles gemacht, was ich mir rausgesucht hatte.

"Trends in Middleware Systems" hab ich zwar abgewählt bin aber trotzdem hingegangen und hab mir die Vorträge angehört und an den Workshops teilgenommen. Dafür hab ich mir das Final-Projekt und Exam dort gespart. Im Nachhinein betrachtet denke ich das war die richtige Entscheidung, da die Vorträge echt das beste waren.

"Statistical Methods for Machine Learning and Data Mining" war gar nicht schlecht neben bekannten Methoden aus einem neuen Blickwinkel gab es auch einiges Neues für mich. Die zwei kleinen Zwischen-Tests waren irgendwie ein Witz. 50min und dann größten teils nur ankreuzen, aber scheinbar hatten einige auch Schwierigkeiten damit. Naja auch die Assignments waren machbar, wenn auch aufwendiger und so blieb nur das Final-Projekt. Um den Aufwand niedrig zu halten und weil mir nichts besseres Einfiel hab ich ein Problem eines anderen Kurses verwendet und probiert mit verschiedenen statistischen Methoden bessere Ergebnisse zu erreichen. Dem Prof. scheint es gefallen zu haben ist jeden falls mit 95/100 Punkte zurückgekommen. Jetzt warte ich nur noch auf die (hoffentlich gute) Endnote.

"Natural Language Computing" hat meine Erwartungen echt erfüllt. Gerade die heftigen Assignments haben die Sache anstrengend, aber interessant gemacht. Text-Kategorisierung, Spracherkennung und Textzusammenfassung sind drei heftige Aufgabenstellungen die schon ein bisschen Hirnschmalz verlangen, bevor man sich an eine Lösung setzten kann. Es hat auf jeden Fall Spaß gemacht auch wenn die Ergebnisse nicht immer Überzeugten. Das Final-Exam steht noch an, also mal abwarten...

Der mit Abstand ungewöhnlichste Kurs war auf jeden Fall "Personal Cybernetics and Intelligent Imaging Systems". Mit 10 Leuten war es eigentlich gar kein richtiger Kurs mehr. Alle arbeiteten an verschiedenen Projekten und 2-3mal die Woche traf man sich halt um Dinge durchzusprechen oder neue Grundlagen zu Lernen. Note? Keine Ahnung die Projekte wurde nie mit Punkten oder so bewertet, man hat halt hier und da einen Kommentar bekommen, aber ansonsten war alles ein großes kreatives Chaos. Nachdem das Wearable-Computer/Keyer-Projekt mehr oder weniger abgeschlossen war, ging es über Eyetaps (Tragbares Camera-/Bildschirmbrillen) zur Bildverarbeitung. Auch wenn ich in dem Gebiet noch relativ frisch war, hab ich gut neues gelernt und mit Linux-/Perl-Kenntnissen-Punkten können. Schließlich ging es hauptsächlich darum ein lauffähiges System auf die Beine zu stellen.
Ziel war es diesmal eine Digitalcamera auf dem Dach seines Studios so anzusteuern das sie ähnlich einer Webcam regelmäßig Bilder macht um diese dann nach einem von ihm entwickelten Algorithmus zu einer Langzeit-Belichtung zusammenzusetzten.


Einfach nur Pixelwerte addieren liefert dabei nur unbefriedigende Ergebnisse. Stattdessen werden die Bilder von Pixel-Space in den Light-Space umgerechnet. Damit macht man die nicht-lineare Camera-Response-Function rückgängig. Light-Space liegen die Bilder dann als Floating-Point-Zahlen (Computerdarstellung von reellen statt ganzen Zahlen) und dort findet dann das eigentliche zusammenfügen statt. Bevor das Ergebnis wieder in den Pixel-Space zurück gerechnet wird. Noch da? Wie auch immer am Ende stehen natürlich aussehende Bilder mit mehreren Sonnen und anderen Effekten. Das ganze dient nun als Kunstform die Langzeit-Aufnahmen vom Umbau der Art Gallery of Toronto macht (AGO). Es gibt sogar einen Film!

Am Ende des Semesters haben wir gleich noch ein Paper darüber geschrieben. Das läuft dann so ab, das der Professor Pizza und Drinks besorgt und man an einem Nachmittag/Abend in kleiner Gruppe das nieder schreibt was man getan hat, dazu noch ein paar Grundlagen aus anderen Papers des Profs kopiert und fertig ist das neue Paper. Nagut es war 2Uhr nachts als ich endlich nach Hause ging und ob es akzeptiert wird ist eine andere Frage, aber ich hab mein erstes Paper eingereicht. Überhaupt sind Studenten viel eher in die Papererstellung eingebunden, als ich das bis jetzt aus Deutschland kannte. Dort werde ich mich erstmal auf meine Studien- und Diplomarbeit stürzen.

Ein anderes Projekt an dem ich ein wenig mitgewirkt habe soll bald im Ontario Science Center als Installation stehen. FUNtain verbindet Form, Funktion and Spaß zu einem interaktiven Musik Instrument. Mit Wasser statt Tasten oder Luft betrieben ist es eine Kreuzung aus Tin Flute und Orgel.

Auf jeden Fall hat sich das Studiumsjahr hier gelohnt und ich nehme viele neue Erfahrungen und Eindrücke mit, vielleicht läßt sich ja auch der ein oder andere Kurs für mein Studium in Deutschland anrechen.